REISEBERICHT:
Malen auf der Insel Santorini (18.06.-25.06.2007)
 
Der 2 1/2 stündige Flug ab Stuttgart war angenehm mit einer ganz sanften Landung in Santorini. Mit einem Bus wurden wir zu unserer Unterkunft "Manos Studios" nach Firostefani gebracht. Die Anlage ist direkt an den Kraterrand (die Caldera) gebaut. Man muss einige Treppen nach unten gehen. Sie umfasst drei Ebenen übereinander mit insgesamt 11 Appartements und ist sehr gepflegt. Auf jeder Ebene befindet sich eine große Terrasse mit kleinen Tischen und Stühlen. Der Besitzer ist sehr nett und hilfsbereit. Von der Terrasse aus hat man einen märchenhaften Ausblick auf das klare, blaue Meer, die Nachbarinseln, die Fähren und kleinen Schiffe. Lässt man seinen Blick über den Kraterrand und die Bebauung mit den weißen Häusern, Treppen, Felsvorsprüngen und der Vegetation schweifen, geht ein unbeschreiblicher Zauber von dieser Insel aus. Oberhalb der Manos Appartements befindet sich die Kirche und der zentrale Platz von Firostefani. Unser Malunterricht begann auf der gemeinsamen Terrasse mit Übungen zu verschiedenen Blautönen für Wasser und Himmel.

Dienstag, 19.06.07
"Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist. "(Yves Klein) Marie-Hélène bedachte uns jeden Tag mit einem schlauen Spruch Am Vormittag versuchten wir von der Terrasse aus die Umgebung malerisch einzufangen. "Der Weg ist das Ziel" (konfuzius) Der Spruch passte zu unserem Ausflug am Nachmittag, denn es war gar nicht so einfach einen Schattenplatz zum Malen zu finden. Deswegen verstreuten wir uns auf verschiedene Plätzchen, die ein wenig Schatten boten und ließen uns von der an jedem Platz malerischen Umgebung inspirieren.

Mittwoch, 20.06.07
Heute Busfahrt nach Pyrgos. Dort in der malerischen Altstadt ein paar Motive mit unseren Aquarellblöcken eingefangen danach ein Fußmarsch auf einem steinigen Eselspfad nach Emborio unternommen. In einem kleinen familiären Lokal sind wir sehr gut und reichlich bewirtet worden, fast wie bei Muttern zu Hause.Dann teilte sich die Gruppe auf. Die einen gingen zum Baden nach Perissa, die anderen hatten sich als Malmotiv noch die Mühlen vorgenommen. Allabendlich versammelten wir uns frisch geduscht und fein gemacht auf unserer Terrasse, um den Sonnenuntergang zu bewundern und prosteten uns mit griechischem Wein zu. Beim Abendessen in der Taverne entwickelte sich eine sehr fröhliche Stimmung. Wir hatten viel zu lachen und haben uns köstlich amüsiert. Ich gab ein freches Lied von Claire Waldoff aus den 20er Jahren zum Besten, in dem "wegen Emils unanständger Lust" seine Frau sich das Fett aus den Oberschenkeln kratzen lassen soll". Erstaunt waren alle, dass es damals schon so etwas gab.

Donnerstag, 21.06.07
Wir besichtigten in Fira beim Kulturcenter Petros M. Nomikos die Reproduktionen der Wandmalereien von Akrotiri. Eintausendfünfhundert Jahre vor der Zerstörung Pompeis zerstörte ein heftiger Vulkanausbruch die bronzezeitliche Stadt Akrotiri und begrub unter der Vulkanasche die ältesten Beispiele europäischer Kunst. Die Freilegung dieser Wandmalereinen begann erst vor dreißig Jahren. Die Ausstellung der Reproduktion der Wandmalereien ist heute die einzige Gelegenheit, zum ersten Mal die Gesamtheit der Wandmalereien, die bis heute restauriert wurden, zu bewundern. Wir waren ganz hingerissen von diesen Zeugnissen der Bronzezeit. Andererseits bestaunten wir aber auch die absolute Perfektion der Reproduktionen. Natürlich hielten wir auch einige der Wandmalereien in unseren Skizzenbüchern fest, was gar nicht so einfach war.

 
Freitag, 22.06.07
Heute Busfahrt nach Oia im Norden der Insel. Dort angekommen, marschierten wir stracks durch zum venezianischen Lóntra-Castell. Dort hatten wir wunderschöne Malmotive zur Auswahl. Das nächste Ziel war der Hafen und der war über 230 Treppen abwärts erreichbar. Runter und später wieder rauf mit eigener Muskelkraft: No Problem für gestandene Frauen wie uns. Ins Schwitzen kam man bei fast 40°C natürlich schon. Nach Einnehmen des Mittagessens und einem kleinen Spaziergang an der Küste, die mit riesigen Lavasteinen und noch sichtbaren Spuren der kochenden Lavamasse bedeckt war, nutzten einige von uns die Gelegenheit für ein kurzes Bad im verführerisch türkis-blau schimmernden Wasser. Der Rest des Nachmittags war ein Altstadtbummel durch verwinkelte Gassen mit kleinen Läden und Tavernen mit allem was ein Touristenherz begehrt.

Samstag, 23.06.07
In eine klösterliche Welt tauchten wir ein, als wir den morgendlichen Gottesdienst "mit den singenden Nonnen" im Dominikanerkloster Moni Agia Katerini in Fira besuchten. Die Messe wurde in verschiedenen Sprachen gehalten: u.a. Latein, Italienisch und Spanisch. Andächtig lauschten wir dem schönen Gesang der Nonnen, die ihre Lieder zum Lobe Gottes sangen. Nach dem Malen vor einem Geländer mit überkreuzten Gitterstäben und dem "Üben der Zwischenräume" sowie dem Abendessen in unserer Taverne ließen wir hoch über der Caldera im Café Gallini mit einem sanften Windchen und angenehmen Temperaturen (tagsüber waren es um die 40°C gewesen!) den Tag ausklingen.

Sonntag, 24. 06.07
Heute letzter Tag vor der Abreise. Und ein Spruch, der uns Mut macht:
"Ein Maler ist verloren, wenn er sich gefunden hat." (Max Ernst)
Die Nacht war heiß ohne nennenswerte Abkühlung. Morgens als Erstes: Raus aus dem Bett und unter die kalte Dusche. Tagestemperatur über 40°C. Der gemeinsame Ausflug nach Kamari wurde wegen der Hitze gecancelt. Anstatt dessen malten wir am Vormittag auf der bis ca. 12 Uhr schattigen Terrasse. Zum Baden nach Kamari haben sich Uli, Uschi und Silvia allein auf den Weg gemacht. Nachdem um die Mittagszeit die Sonne unbarmherzig auf die Terrasse brannte, war für mich Aufenthalt im Zimmer angesagt. Einige der Gruppe sind der Caldera entlang nach Fira marschiert, um in den reizvollen Geschäften für Schmuck und Kleidung zu shoppen. Unser Abendessen bekamen wir in Simos neuem Restaurant "Casablanca", das hoch oben am Kraterrand liegt und einen phänomenalen Ausblick über die Caldera und das schwarzblaue Meer. Der Tag klang aus mit einem Glas Wein und der milden Abendluft auf unserer Terrasse.
In dieser Woche haben wir in dem täglichen ca. fünfstündigen Malunterricht mit Marie-Hélène immer wieder unseren Blick geschult, sehen gelernt, Motive festgehalten, geduldig geübt, Gesehenes mit Aquarellfarben umgesetzt. Angenehme Stunden der Ruhe und Besinnlichkeit.

Montag, 25.06.07
Abreise. Alles ging viel zu schnell und nun hieß es Abschied nehmen von Santorini. Unser "Wirt" begleitete uns noch bis zur Bushaltestelle und wartete bis der Bus kam. Das war doch wirklich nett. Jede wurde mit Küsschen verabschiedet. Ratzfatz waren wir wieder zu Hause. Morgens noch Frühs-tück in Santorini, mittags schon wieder in Stuttgart. Die Welt wird immer kleiner. Es war eine schöne, erlebnisreiche Woche. Der Zauber und die Kraft, die von dieser Insel ausgehen, haben mich sehr berührt.

 

Ingrid Brückner

 
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