REISEBERICHT:
Rom Mai 2007: Bericht eines Krankheitsverlaufs "Das Malfieber"
 
...es begann mit dem Tüpfelchen auf dem "i". Ein kluger Schachzug von Marie-Hélène, so dass bereits zu Beginn der Reise im Ryan-Air-Flieger nach Rom ein wichtiger Akzent gesetzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt konnte ja niemand ahnen, welch schreckliche Krankheit uns ereilen sollte.
...aber der Krankheitsverlauf setzte sich ungehindert fort, ohne dass es uns zunächst bewusst wurde. Ja schon auf der Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt, nach Trastevere. Allerdings konnte die Krankheit noch nicht richtig ausbrechen, da unsere Malutensilien noch im Gepäckraum des Transferbuses verstaut waren.
Wir erreichten unser Hotel am späten Nachmittag. Das ehemalige Kloster begeisterte uns schon durch den kurzen Fußmarsch von unserem Transferbus durch die pittoresken Gassen von Trastevere bis zum Betreten des Hauses. Nachdem jeder sein Zimmer in Besitz genommen hatte, trafen wir uns zum Gang nach Canossa...nein zum ersten gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant, das zu Zeiten früherer Päpste als Gefängnis gedient hatte.

An diesem Abend fielen wir ermattet von den ersten Eindrücken in die Betten. Im Innenhof des Hotels bekamen wir von Marie-Hélène nach dem Frühstück ausführliche Informationen, Ideen und Anleitungen für den bevorstehenden Tag. Jetzt setzte der nächste Fieberschub mit höherer Temperatur ein. Wir gingen zu Fuß zur Anlegestelle des Boots am Tiber, gegenüber der Tiberinsel, die das Krankenhaus "Fatebenefratelli" beherbergte. Zu diesem Zeitpunkt war uns noch nicht klar, dass dieses Krankenhaus auch unseren Aufenthalt beenden sollte........

Die erste Skizze wurde in ca. 20 Minuten erstellt, unserer Wartezeit für die Bootstour. Während der Bootsfahrt zogen Engelsburg, Ponte Sisto, Petersdom an uns vorüber und danach ging es zu Fuß weiter bis zur berühmten Spanischen Treppe, bei der dann weitere Krankheitsanzeichen einsetzten. Hier wollte Annette fast nicht malen, weil wahre Menschenmassen an Touristen permanent um uns herumliefen. Eine Malgruppe löst doch ab und zu mehr Aufmerksamkeit aus, als die Sehenswürdigkeit, wegen der die Touristengruppe eigentlich angereist ist.
Danach folgten wir den Spuren von Goethe, der ja ebenfalls von dieser rätselhaften Krankheit befallen war. Vor der Académie des Beaux-Arts, von der aus wir das einzigartige Bildmotiv festhielten, das seinerzeit auch ihn faszinierte. Weiter mit unterschiedlichen Malstopps bis zum Goethe-Hauses. Durch die Fieberschübe geschwächt, war danach die Nahrungsaufnahme ein lebenswichtiges Thema, um einen positiven Verlauf der Reise nicht zu gefähren. Aber dann ging es ungebremst weiter mit Fieberattacken beim Augustusmausoleum und ans Ufer des Tiber. Von hier aus wurde die Ponte Sant Angelo sowie die Engelsburg gemalt.

Damit wir bei unserem Krankheitsverlauf sämtliche Heilungsmöglichkeiten in Betracht gezogen haben, begaben wir uns über die Engelsbrücke an der Engelsburg vorbei zum Vatikan und Petersdom. Leider war "unser Papst" nicht da, die Fensterläden geschlossen. Er besuchte seine Schäfchen in Brasilien, so dass diese Heilungschance für uns verwehrt blieb.

 
Das Fieber war bei mir nun schon so stark ausgebrochen, dass ich nach diesem sicherlich nicht unstressigen Tag ...und vor dem Abendessen ... noch einem Malanfall im Innenhof unseres "Hotelklosters" erlag. Jedoch war ich nicht die Einzige. Im Fieber nahm ich immer wieder wahr, dass auch Sabine der Krankheit voll und ganz erlegen ist. Es soll auch Teilnehmer gegeben haben, ich denke da an Waltraut (bitte korrigiere ´mich, falls es nicht so war), die nach dem Abendessen Krankheitsschübe im Hotelzimmer erlitten und bis in die Nacht keine Abhilfe fanden. Andere versuchten an den Abenden mit rotem Rebensaft gegen die Fieberschübe anzukämpfen, was jedoch nur wenige Stunden anhielt und die Krankheit immer nach dem Frühstück wieder ausbrechen ließ. Die Fahrt in einer der Pferdekutschen vor dem Pantheon müssen wir uns leider für den nächsten Romaufenthalt aufheben, da wir danach geschwächt von den vielen Fieberschüben des Vormittags eine Mittagspause eingelegt haben. L'eau vive hieß das in einem Renaissance-Bau beherbergte Restaurant, das von Nonnen aus unterschiedlichen Ländern Asiens, Afrikas und anderen Kontinenten geführt wird.

Dann ging es zu Fuß weiter zum Capitol, das uns ebenfalls wieder mit einem Fieberschub in die Knie zwang. Und dann kam mein persönliches Highlight, das Forum Romanum. Da ich gerne alte Hollywood-Filme schaue (wie z. B. Ben Hur bzw. auch neue Monumentalfilme wie Gladiator), tauchte ich mit Leidenschaft in die Ruinen der vergangenen Jahrtausende ein. Hier erlag ich persönlich der Krankheit besonders. Lediglich die vielen Touristen holten mich immer wieder in die Realität zurück. Die Krönung fand dieser Krankheitstag am Colosseum, von dem aus wir uns mit letzter Kraft über den Circus Maximus wieder zurück zum Hotel schleppten.

Allen Kranken, die zusätzlich zu den Fieberschüben auch noch Blasen an den Füßen bekommen haben, war der nächste Tag, unser Heimreisetag sehr willkommen. Am Vormittag erlitten wir alle nochmals einen Fieberschub beim letzten Bild der Tiberinsel und des darauf befindlichen Krankenhauses und die anderen beim Malen im pittoresken Innenhof unseres Klosterhotels. Dann verließen wir Marie-Hélène, die noch einige Tage in Rom blieb. Wir begaben uns in die Obhut von Meli, Marie-Hélènes Tochter, die uns bereits während des ganzen Aufenthalts übersetzend betreute. Jedoch auch sie erlag so manchem Fieberschub, wurde jedoch von ihrer Mutter immer wieder aufgepäppelt, um ihr noch nützlich zur Seite zu stehen.
...und nach dem Transfer zurück zum Flughafen, bestiegen wir unsere Ryan-Air-Maschine wieder zurück gen Baden-Baden. Das Fieber kam noch mit leichten Schüben mit nach Deutschland. Einige haben sowohl beim "Nacharbeiten" der Reiseführer als auch manch einer beim Nacharbeiten der Kunstwerke noch kleine Anfälle erlitten, aber inzwischen sind es nur noch leichte Schübe, ohne große Nebenwirkungen.
Liebe Mitreisende, ich freue mich schon jetzt auf den Ausbruch der nächsten Epidemie. Marie-Hélène...dies ist die einzige Krankheit für die ich bereit bin immer wieder Geld auszugeben.

Eure Inge

 
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